| Die Regeln des
Verhaltens Erzählungen Macondo Verlag 200 Seiten EURO 15,- ISBN 3-8311-2495-7 |
![]() |
Ein Bauer, der seinen Nachbarn wegen eines schmalen Ackerstreifens erschlägt; ein Junge, der seine Lehrerin des Dealens mit Drogen bezichtigt; zwei Freunde, die im Wald eine Leiche finden; ein Bursch, der für ein Auto seinen Körper verkauft; ein Mädchen mit einer Hand aus Plastik; ein anderes, das bereit ist, für das, was es für Liebe hält, Schwächere zu quälen; ein fetter Junge, der sich endlich gegen die Bevormundung durch seine Mutter wehrt ...
Die Figuren in Peter Horns Erzählungen sind Getriebene, Heimatlose im Geiste, Zerriebene zwischen ihren eigenen Ansprüchen, ihrer Selbstüberschätzung und der Wirklichkeit, in erster Linie aber sind sie Menschen, die sich nach Geborgenheit und Zärtlichkeit sehnen, nach Gefühlen, die ihnen das Leben zu verwehren scheint. Diese Geschichten kommen immer gleich zur Sache, sie reißen den Protagonisten die Masken von den Gesichtern und ziehen den Leser unmittelbar in ihren Bann, (be)rühren ihn und treffen ihn mitten ins Herz.
Auf diese Weise hat Peter Horn brillante Risszeichnungen von Lebenslügen entworfen, Versuchsanordnungen von Traurigkeit und Verzweiflung, die immer wieder in menschlichen Katastrophen enden, ab und zu jedoch auch so etwas wie die Hoffnung auf Veränderung, auf ein besseres Weiterleben zulassen. Der Künstler Savio hat dazu Grafiken geschaffen, die diese Aspekte der Texte eindrucksvoll widerspiegeln.
Rezension auf storyline-net.de (2004):
"Peter Horn erzählt in seinem Buch "Die Regeln des Verhaltens" sieben Kurzgeschichten, die sich auf verschiedenen Weisen Außenseitern und Grenzgängern widmen. Und obschon die Geschichten im Band abgeschlossene Erzählungen sind, verbindet die meisten ein roter Faden, ein Grundthema: die Suche nach Sinn, nach Zärtlichkeit und Liebe in einer Welt, die den innerlich gepeinigten Helden scheinbar kein Glück gönnt.
Der Großteil der Geschichten widmet sich dabei Jugendlichen, die auf der Suche nach sich selbst und ihrer Rolle in der Gesellschaft sind, dabei eins ums andere Mal an den eigenen Träumen scheitern und am Ende vor den Trümmern der Realität stehen.
Die Schilderungen der Figuren sind dabei sehr eindringlich geraten, ohne Beschönigungen und Auslassungen werden die persönlichen Tragödien bis in den letzten Winkel erleuchtet. Sei es, dass man die schmerzliche Scham des Schülers Daniel miterlebt, der mit gezielter Boshaftigkeit auf einer Party erniedrigt wird, man genauso voller Entsetzen lesen muss, wie der gleiche Junge gezielt den geliebten Wellensittich des Großvaters umbringt oder eine Lehrerin des Drogenverkaufs bezichtigt, um die Lüge, die ihm aufgebürdet wurde, weiterzugeben.
Auch die Sehnsucht nach Liebe in der Geschichte um die Schülerin Julia konkurriert mit dem Grauen, das folgt, wenn man liest, wie das Mädchen aus Liebe zu einem Erzieher in einem Jugendheim zusieht, wie er bosnische Kriegsflüchtlinge sexuell missbrauchen und quälen lässt und sich in dieses grausame Treiben hineinziehen lässt. Und so leben alle Geschichten im Band von der Spannung zwischen dem Mitleid und Entsetzen, das der Leser für die Figuren empfindet.
"Die Regeln des Verhaltens" ist gewiss keine leichte Lektüre, nichts für zwischendurch. Die persönlichen Tragödien in den Geschichten verlangen Zeit und Aufmerksamkeit. Dafür erhält der Leser exzellent beobachtete Studien von Menschen, die wie jeder von uns nach etwas Geborgenheit und Glück suchen, aber letztlich an der Umwelt und eigenen Schwächen scheitern."
Rezension von Alfred Ohswald auf buchkritik.at (3/03):
"Im aktuellen Buch präsentiert Peter Horn sieben Erzählungen, die bis zu einem gewissen Grad etwas gemeinsam haben. Immer sind die Hauptfiguren Außenseiter in mehr oder weniger stark ausgeprägter Form. Der junge und der alte Bauer, die sich in der ersten Geschichte "Die Grenze" um ein schmales Stück Land streiten, sind noch nicht wirklich ungewöhnliche Charaktere. Solche in verschiedenen Welten lebende Menschen sind in ländlichen Gegenden sicher nicht selten anzutreffen. Bei dieser Geschichte fällt der Schreibstil positiv auf. Ohne im Dialekt zu schreiben, trifft Peter Horn den Ton sehr gut. Besonders die Worte und Gedanken des alten Bauern wirken trotz Hochdeutsch authentisch.
In der titelgebenden zweiten Geschichte "Die Regeln des Verhaltens" spielt der junge, gutaussehende Friseur Christian die Hauptrolle. Um den Hänseleien wegen vermeintlicher Homosexualität entgegenzuwirken, ist er in den Discos als Mädchenaufreißen besonders aktiv. Sein gutes Aussehen und der Traum vom eigenen Auto sollen ihm schließlich zum Verhängnis werden.
Die Charaktere werden in den späteren Erzählungen zunehmend extremer. So erleiden ein Mädchen mit einer Plastikhand, dessen Liebe von ihrem Auserwählten nicht erwidert wird, ein Mädchen, das einem Sadisten hörig wird, ein ungeliebter und ausgetoßener Junge, der eine gute Tat mit Verrat vergilt, und ein fetter Junge, der unter der Kuratel seiner dominanten Mutter steht, ein sehr deftiges Schicksal. Erst die beiden Jungen, die eine Leiche im Wald entdecken und sie, anstatt den Fund zu melden, in ein Versteck schleppen, sind wieder relativ normale Charaktere. Diese Erzählung ist auch die Einzige mit einem versöhnlichen Ende.
Es sind alles dunkle Geschichten, die ohne Probleme in eine Horroranthologie passen würden, wenn nicht soviel Mitleid des Autors mit den traurigen Schicksalen fühlbar wäre. Peter Horn reichen Menschen vollkommen, er braucht nicht auf Übersinnliches zurückzugreifen. In "Rituale", der Geschichte von dem fetten Jungen, teilt er sogar einige ironische und treffende Seitenhiebe auf die Esoterikszene aus. Wie in Peter Horns Vorgängerbuch "Die Farbe des Sommers" spielen auch die Erzählungen im ländlichen Raum oder in einer Kleinstadt. Und wieder gelingt es ihm hervorragend, die Eigenheiten und das Lebensgefühl jenseits romantischer Klischees einzufangen.
Wer nicht mit sehr negativen und traurigen Enden ein Problem hat, sollte mit diesen Erzählungen nicht viel falsch machen können."
Hier kommen Sie zu einer Leseprobe.