Die Farbe des Sommers

Zu Beginn des Romans Die Farbe des Sommers kreisen die Gedanken des 13-jährigen Peter um seinen Freund Thomas. Dieser musste die kleine Stadt verlassen und obwohl die beiden einander ewige Freundschaft geschworen hatten, ist der Briefkontakt in der Zwi­schen­zeit ab­gerissen. Peter selbst ist einsam und hat keine Freunde unter den Schulkameraden. Wieso hat sich Peter so sehr in sich selbst zurückgezogen?Was sind Peters Gefühle Thomas gegenüber? Wieso schreibt er ihm nicht einfach einen Brief, in dem er ihm sagt, wie es ihm geht?

Gedankenspiel:

Versuche, dich in Peter hineinzuversetzen. Stell dir vor, du hast dich endlich dazu durchgerungen, mit Thomas Kontakt aufzu­neh­men. Du bist sehr unsicher, denn du sehnst dich nach seiner Freundschaft, weißt aber nicht genau, weshalb er dir nicht mehr schreibt. Versu­che, dich zu öffnen und Thomas wirklich zu sagen, wie es dir geht. Verfasse den Brief an Thomas.

Wie stehen eigentlich Peters Eltern dazu, dass ihr Sohn so still ist und sich in die Welt seiner Fantasie zurückgezogen hat? Wie reagie­ren sie auf diese Situation? Verhalten sich sein Vater und seine Mutter ähnlich oder ganz unterschiedlich? Glaubst du, dass sie sich richtig oder falsch verhalten? Suche Stellen im Buch, die die Liebe der Eltern zu Peter zeigen.

Gedankenspiel:

Peters Eltern ist es sicherlich nicht egal, dass ihr Sohn keine Freun­de hat, den ganzen Tag allein herumzieht und bestenfalls in dem alten Trafikanten Dunst und Herrn Braun, dem Kinobesitzer, An­sprech­partner hat. Versuche, dich in sie hineinzuversetzen. Zeich­ne ein Gespräch auf, das die beiden über Peter und seine Si­tuation füh­ren, wenn er gerade nicht zuhause ist. Vielleicht könn­test du das Gespräch mit einem Freund/einer Freundin vorspielen.

Peter ist ein Außenseiter unter seinen Schulkollegen, d. h. er ist in ihrer Gruppe nicht ak­zeptiert. Welche Arten von Gruppen kennst du? Wieso grenzen sich manche dieser Grup­pen ganz be­wusst gegenüber der Umwelt ab?

Wie fühlt sich ein Außenseiter? Was könnten die Gründe dafür sein, dass er/sie zu einem geworden ist? Wie verhält sich solch ein Au­ßen­seiter, wie verhalten sich die anderen ihm gegenüber? Mit welchem Verhalten begegnet ein Außenseiter dem Verspotten, den Krän­kun­gen, etc.?

Kannst du Beis­piele erzählen, die du schon einmal selbst erlebt/­mit­erlebt hast? Auch Er­wachsene können in die Rolle eines Au­ßen­seiters geraten. Kannst du dir Gründe dafür vor­stellen? Was kön­nen Kon­sequenzen davon sein, dass der Außenseiter sich den an­de­ren ge­genüber aggressiv verhält bzw. dass er/sie sich in sich selbst zurück­zieht?

Rollenspiel:

Stell dir vor, du kennst jemanden, den man als Außen­seiter be­zeich­nen könnte. Er/sie reagiert mit Aggression auf die Situa­tion. Bildet Zweiergruppen und besprecht eure Gedanken zu diesem The­­ma. Versucht, den Außenseiter auf sein aggressives Verhalten an­zusprechen. Welche Möglich­kei­ten gäbe es, für ihn/sie einen Weg zurück in die Gruppe zu fin­den?

Spielt den Dialog der Klasse vor. Anschließend könnten die Lö­sungs­­vorschläge, die ihr gebt, hinsichtlich ihrer Effektivität be­spro­chen werden.

Spiel „Reinlassen - Rauslassen“:

Mit Hilfe dieses Spiels könnt ihr die theoretischen Gedanken­gänge, die ihr gerade be­spro­chen habt, praktisch ausprobieren.

In dem Roman gibt es die unterschiedlichsten Arten von Beziehungen. Wel­che kennst du? Versu­che, die Art und Stär­ke der folgenden zu charak­teri­sie­ren. Wel­che von ihnen würdest du als Be­kanntschaft, welche als Freund­schaft, welche als Liebe be­­zeichnen? Stelle einen Beziehungsraster auf:

Peter und Gernot

Peter und sein Vater

Peter und seine Mutter

Peter und seine Großvater

Peter und seine Großmutter

Peter und Thomas

Peter und Herr Dunst

Peter und Herr Braun

Peters Vater und Peters Mutter

Peters Vater und Gernots Mutter

Vor der Realität flüchtet sich Peter in die Fantasiewelt von Horror- und Science-fiction-Filmen. Besonders liebt Peter die Fil­me King Kong und die weiße Frau (USA, 1933) und Franken­stein (USA, 1931). Wieso gerade diese Filme? Inwiefern kann er sich mit den Fi­gu­ren des Riesenaffen und des unglücklichen Monsters identifizie­ren?

Aufgabe:

Versuche, im Internet Genaueres über diese beiden Filme zu finden. Gestalte ein Poster mit Angaben zum Inhalt der Filme, zum Regisseur und den Darstellern und Fotos.

Anregung:

Obwohl die genannten Filme alt sind, könnte man durch einen Online-Shop Kassetten besorgen. Ver­anstaltet in der Schule eine Filmnacht, in der ihr euch diese bei­den Filme und an­dere, die in dem Roman vor­kom­­men, anseht (z. B. Tarantula, 1955, Die Mumie, 1932, und Dra­cula, 1931) und  dann besprecht, was sich in der Zwischenzeit alles in der Film­technik und in der Art und Weise, eine Filmgeschichte zu erzäh­len, ge­ändert hat. In­wiefern würden sich neue Versio­nen dieser Film­stoffe von den alten unterscheiden?

In Gernot findet Peter wieder einen Freund. Welche Gedanken kann er nur ihm mitteilen, über welche Gefühle nur mit ihm sprechen? Und wie steht es mit Gernot? Auch für ihn ist die Freundschaft zu Peter sehr wichtig. Wieso? Was bedeutet Freundschaft für dich? Welche Qualitäten muss ein bester Freund/eine beste Freundin haben? Inwiefern unterscheidet sich Freundschaft deiner Meinung nach von Liebe?

Anregung:

Schau dir den Film Stand by Me von Rob Reiner an. Er basiert auf einer Kurzgeschichte von Stephen King und zeigt eine Gruppe von vier Freunden, die sich in den fünfziger Jahren auf die Suche nach einem vermissten Jungen machen. Am Schluss dieses Films meint der Erzähler, dass er nie wieder in seinem Leben Freund­schaften hatte wie im Alter von zwölf Jahren. „Aber wer hat das schon?“, fragt er sich selbst.

Was ist deine Meinung dazu? Inwiefern unterscheiden sich Freund­schaften im Alter von bis zu 13 oder 14 Jahren von späteren?

Verfasse einen Brief an einen Freund/eine Freundin und sage ihm/ihr darin, was er/sie für dich bedeutet. Du brauchst diesen Brief nicht in der Klasse vorlesen. Aber wenn du es für richtig hältst, gib ihn dem Freund/der Freundin.

Für Peter ist das alte Kino so wichtig, dass es ihm zuweilen sogar wie ein Lebewesen vorkommt. Suche Stellen im Buch, wo das Licht­spiel­theater so beschrieben ist.

Welche Rolle spielen Filme und FilmschauspielerInnen für dich? Bist du ein Fan? Von wem? Nenne die Gründe, weshalb dir dieser be­stimmte Schauspieler/diese Schau­spie­lerin so imponiert. Welche DarstellerInnen galten frü­her als Idole, welche sind es heute? Welche Qua­litäten machen denn ein Idol aus? In welchen anderen Be­reichen des Lebens außer dem Film kann man Idole/Vorbilder fin­den?

Gedankenspiel:

Für Peter ist es sehr wichtig, dass Gernot sein Zimmer gefällt. Er hat Herzklopfen, als er ihn zum ersten Mal zu sich nach Hause mit­nimmt. Wieso ist das so? Was „verrät“ Peters Zimmer über ihn?

Schließ die Augen und stell dir ein Zimmer vor, das ganz nach dei­nen Vorlieben de­ko­riert ist. Wäre daraus ersichtlich, welche Idole und Vorbilder du hast? Welche Pos­ter würden dort hängen? Wie wäre dieses Zimmer ein­gerichtet? Beschreibe dieses Zim­mer mit Worten.

Ein weiteres zentrales Thema des Buches ist der Tod. Der Text stellt dieses Thema in den Rahmen eines herrlich langen und heißen Som­mers, geradezu des Inbegiffs von blühender Natur und von Leben. Es gibt Stellen, an denen sich Peter und Gernot beson­ders le­bendig fühlen. Mit welchen Tieren werden sie dann ver­gli­chen? Wieso gerade mit diesen?

Doch da ist auch der Tod. Für Gernot ist es die Erinnerung an den toten Vater, die ihn quält. Deshalb ist er auch so fasziniert von der Todesliste des Trafikanten Dunst und von der alten Huberin. Einen Ort der Ruhe, wo man über Dinge wie das Leben und den Tod nach­den­ken kann, stellt die Wiese mit den Riesenengeln des Bildhauers Berger dar. Welche anderen Orte der Ruhe, des Inne­haltens, der Ein­kehr kennst du? Welche Rolle spielen sie für dich?

Gedankenspiel:

Versuche, dich in Gernot hineinzuversetzen. Verfasse einen Eintrag in ein Tagebuch, in dem Gernot seine Gedanken und Gefühle über den Tod des Vaters niederschreibt. Alter­native: Verfasse einen Brief, den Gernot an den toten Vater schreibt.

In dem Roman kommt am Rande eine Episode aus den frühen Tagen der Raumfahrt vor. Lies dazu das Bilderbuch Das Meer der Ruhe von Mark Haddon und Christian Bir­mingham (Gersten­berg Verlag, 1996). Es zeigt, wie ein Kind die Tage der ersten Mond­landung erlebt haben könnte.

Suche im Internet nach Informationen und Dokumenten zur Ge­schichte der Raumfahrt, besonders auch zum Skylab. Gestalte da­mit ein Plakat.

Der Roman beschreibt das Leben in einer kleinen Stadt in den sieb­ziger Jahren. Seitdem hat sich vieles geändert. Stelle dir vor, die Ge­schichte würde heute spielen. Inwiefern würde sie sich von dem Ro­man unterscheiden? Würden sich auch die Personen anders verhal­ten?

Anregung:

Frage deine Großeltern und Eltern, wie ein Sommer in ihrer Kind­heit oder Jugend war. Vergleiche diese Erzählungen mit einem Som­mer, den du selbst als kleines Kind erlebt hast. Und diesen wie­derum mit einem Sommer, wie er heute ablaufen könnte. Schreibe Veränderungen und Unterschiede auf. Gibt es aber viel­leicht auch Ähnlich­kei­ten/Gemeinsamkeiten?

Im Laufe des beschriebenen Sommers macht Peter einen wichtigen Schritt vom Kind zum Erwachsenen. Woran kann man das erken­nen? Inwiefern verändert er sich kör­perlich? Welche Rolle spielen Frauen wie Vampirella und Gernots Mutter für ihn? In­wiefern ver­liert Peter Teile seines Kindseins, inwiefern gewinnt er erste Einsichten ins Er­wach­sen­sein? Welche Rolle spielen dabei seine Großeltern? Ist es wichtig, über die eigene Vergangenheit und die der Familie Bescheid zu wissen, bevor man erste Schritte in die Zukunft wagt? Wieso?

Peters fantasievolle Sicht der Dinge (Filme, Comics) wird realisti­scher. Zuerst glaubt er den Vater von außerirdischen Mächten be­herrscht, schließlich akzeptiert er aber, dass er eine Affäre mit Ger­­nots Mutter hat. Peter lernt seine oft widersprüchlichen Ge­fühle zu akzeptieren, er realisiert, dass gerade sie zum Leben ge­hören.

In seinem Buch Das Böse kommt auf leisen Sohlen (Diogenes Verlag, 1981) schreibt Ray Bradbury:

„Das war jene Woche im Oktober,

in der sie über Nacht erwachsen wurden,

in der das Jungsein ihnen entglitt ...“

Welches Erlebnis/Ereignis ist der Auslöser, dass Peter diesen Schritt tut? Welche Rolle spielt dabei, Verantwortung für einen anderen Men­schen zu empfinden? Inwiefern hat sich sein Ver­hältnis zum Vater verändert? Was sagt die Szene am Bett des schla­fenden Vaters darüber aus?

Das Zitat aus Hemingways Kurzgeschichte „Indianerlager“, das dem Roman voran­gestellt ist, zeigt den kleinen Nick, der im Ver­trauen in den Vater völlige Sicherheit ge­winnt. Lies die Ge­schichte. Peter empfindet am Anfang von Die Farbe des Sommers in seinen Vater ähnlich blindes Vertrauen wie Nick, er verändert sich dann aber. Inwiefern ist es wichtig, einen Vater als Rollenvorbild zu haben? Inwiefern ist es aber auch wich­tig, den Vater/die Eltern in Frage zu stellen, um sich ein realistisches Bild von ihnen und sich selbst zu machen?

Gedankenspiel:

Stelle dir vor, du bist alt und blickst auf deine Kindheit und Ju­gend zurück. Wann war für dich der Moment, in dem „das Jung­sein dir entglitt“? Wie hast du dich ab dem Alter von etwa 12 Jah­ren verän­dert?

Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf den Titel des Romans. Die Farbe des Sommers. Findest du diesen Titel passend? Welche Farbe hat der Sommer für Peter und Gernot? Drückt das Cover des Bu­ches die Empfindungen aus, die du hast, wenn du den Titel hörst?

Lehn dich zurück und schließ die Augen. Welche Farbe hat ein Som­mer für dich? 

 

 

Gefährten des Windes

Stelle eine Liste der Charaktere in diesem Buch auf. Notiere, wie die Figuren heißen, wie sie aussehen und was du über ihre Charaktereigenschaften erfahren hast. Versuche an­schließend, den Inhalt des Romans Gefährten des Windes in einem einzigen Satz zu­sammenzufassen („Plot“).

Zu Beginn der Geschichte erwacht Jakob, Manuels kleiner Bru­der, mitten in der Nacht. Jakob schreit oder weint nicht, er ist ganz still. Trotzdem spürt, ja weiß Manuel, dass er wach liegt. Wieso? Was sagt diese Szene über die Beziehung der Brüder zueinander aus?

Eine persönliche Frage: Wie kann die Beziehung zwischen Geschwistern sein? Gib - wenn möglich - Beispiele aus deiner Erfahrung. Inwiefern unterscheidet sie sich von der Bezie­hung z. B. zwischen Eltern und ihren Kindern oder zu jener von Freunden?

Inwiefern ist die Lage, in der sich Manuel und Jakob befinden, eine Ausnahmesituation? Sind die beiden Brüder dadurch „zusam­men­gewachsen“? Kann man ihre Beziehung als „Liebe“ bezeichnen?

In welcher Beziehung zueinander stehen die anderen Personen des Romans? Wie ist das Verhältnis zwischen

Gedankenspiel:

Als Manuel Annas Familie durchs Fenster beim Essen beobachtet, erscheint sie ihm ideal. Später meint Anna, es gäbe auch in ihrer Familie Probleme und Konflikte. Welche Konflikte kann es in einer Familie geben? Stell dir vor, du bist Anna. Verfasse einen Tagebucheintrag, in dem du da­rüber schreibst.

In der Klasse fühlt sich Manuel als Außenseiter. Nach dem Turnunterricht provoziert er geradezu den Konflikt mit Stefan. Was könnte der Grund dafür sein? Inwiefern hängt Manuels aggressives Verhalten gegenüber dem jüngeren Schüler im Umkleideraum der Schule damit zusammen?

Wodurch ist Manuel zum Außenseiter in der Klasse geworden? Was sind mög­liche Gründe/Ursachen dafür, dass jemand zum Außenseiter wird? Wie fühlt sich je­mand, der in eine solche Lage geraten ist? Wie verhalten sich die anderen ihm/ihr ge­gen­über? Mit welchem Verhalten begegnet ein Außenseiter seinerseits den anderen? Kannst du Beispiele erzählen, die du schon selbst einmal erlebt/miterlebt hast?

Rollenspiel:

Stell dir vor, du kennst jemanden, den man als Außenseiter bezeichnen könnte. Er/sie reagiert mit Aggression auf die Situation. Bildet Zweiergruppen und besprecht eure Ge­danken zu diesem Thema. Versucht, den Außenseiter auf sein aggressives Verhalten an­zusprechen. Welche Möglichkeiten gäbe es für ihn/sie, einen Weg zurück in die Gruppe zu finden?

Spielt den Dialog der Klasse vor. Anschließend könnte besprochen werden, wie wirksam die Lösungsvorschläge, die ihr erarbeitet habt, sind. Alternative: Versucht einen Dialog auszuarbeiten, in dem der Außenseiter mit einem anderen Jungen/einem anderen Mädchen über seine/ihre Gefühle spricht.

Gruppenspiel: „Reinlassen - Rauslassen“

Mit Hilfe dieses Spiels könnt ihr die theoretischen Gedankengänge, die ihr gerade be­spro­­chen habt, praktisch erproben.

Im Grunde genommen ist Manuel über sich selbst und sein Verhalten dem jüngeren Schüler gegenüber entsetzt. Er schwankt zwischen dem Bedürfnis, sich dem Lehrer Hu­ber anzuver­trauen, und dem Drang, sich aus der Schule davonzumachen. Diskutiert da­rüber, welche Probleme man mit einem Lehrer besprechen kann und welche nicht. Wür­dest du einen Lehrer überhaupt um Rat und Hilfe bitten oder gibt es andere Bezugs­per­sonen, zu denen du mehr Vertrauen hast?

Gedankenspiel:

Stell dir eine Situation vor, in der du dich einem Lehrer anvertrauen würdest. Besprich diese Situation mit einem Freund/einer Freundin. Versucht anschließend, das Gespräch zwischen dem Lehrer und dir vorzuspielen.

Alternative: Du könnest auch einen Brief an einen Außenseiter schreiben.

 

In der Parallelhandlung um Robert, seinen vermissten Vater und das Flügelwesen aus dem Canyon geht es genauso wie im Handlungsstrang um Manuel und Jakob um die Suche nach Eltern(teilen) und die eigene Vergangenheit. Manuel versucht seinem Bruder durch die Geschichte, die er ihm erzählt, Trost zu bieten.

Wieso ist es für das Flügelwesen so wichtig herauszufinden, woher es kommt, wer seine Vorfahren sind? Was sagt die Geschichte, die er sich ausdenkt, über Manuels Gefühle aus? Das Flügelwesen sucht auf der ganzen Welt nach Antworten, Manuel zieht es zum ehemaligen Grundstück seiner Eltern. Was hofft er dort zu fin­den?

Notiere den Verlauf der Fan­stasieszenen chronologisch und verfolge auf einer Welt­karte die Reise von Robert und dem Flügelwesen um den Erdball. Versuche Parallelen zwi­schen Manuels Erlebnissen in der Realität und den Stationen seiner Fanstasiege­schich­te zu finden.

Anregung:

Das Aussehen des Flügelwesens wird im Text des Buches genau beschrieben. Versuche die Figur künstlerisch darzustellen. Ihr könntet in der Klasse verschiedene Techniken an­wen­den und eine kleine Ausstellung organi­sie­ren.

Manuels Großeltern verhalten sich äußerst seltsam. Sie haben keine Fotografie von Ma­nuels Eltern aufgehoben, sie wollen nicht einmal über sie sprechen. Allmählich lernt Manuel ihre Motive kennen. Welche sind das? Verfasse einen Brief, in dem Manuel sich an seine Großeltern wendet, in dem er dieses Problem anspricht und versucht, ihre Ein­stellung zu ändern.

Kannst du dir vorstellen, wie das Zusammenleben von Manuel, Jakob und den Groß­eltern nach dem Schluss des Romans weiter verläuft? Glaubst du, dass sie ihre Schwie­rig­keiten nun besser bewältigen können? Dass sich die Großeltern ändern? 

Was immer Manuels sehnlichster Wunsch war, nämlich ein Foto seiner Eltern zu be­sit­zen, ist in Erfüllung gegangen. Inwiefern hat sich Manuel dadurch verändert? Glaubst du, dass er nun auch die Probleme in der Schule in den Griff  kriegt? Und wird sich auch Jakob ändern? Wird er weiterhin im wörtlichen Sinne alles „in sich hineinfressen“? Wer­den die Brüder Anna und ihre Familie besuchen?

Versuche, dich in Manuel hineinzuversetzen. Stell dir vor, es sind vier Jahre vergangen, Manuel ist 18 und hat den Schulabschluss gerade hinter sich. Nun blickt er auf die Zeit zurück, die vergangen ist, seitdem er das Foto seiner Eltern bekommen hat.

Anregung:

Schreib nieder, was geschehen ist und in welcher Weise sich die Figuren geändert haben. Stell dir auch vor, welche Zukunftspläne Manuel haben könnte.

Fotos erinern uns an Szenen aus der Vergangenheit, die wir sonst vielleicht vergessen hätten. Sie zeigen uns auch, wie unsere Eltern früher ausgesehen haben, und wer unsere Großeltern, Urgroßeltern usw. waren. Wenn wir durch ein Familienalbum blättern, gehen wir ein Stück zurück in die Vergangenheit und stellen eine Beziehung zwischen  dem Gestern und dem Heute her.

Anregung:

Suche in einem Album deiner Eltern oder Großeltern ein Foto, das Personen oder Situa­tio­nen zeigt, über die du nichts weißt. Frage die Eltern oder Großeltern darüber und be­schrei­be das Foto anschließend in Form einer Geschichte. Erzählt einander in der Klasse diese Geschichten und diskutiert den Satz: Erst wenn wir wissen, woher wir gekommen sind, können wir uns Gedanken darüber machen, wohin wir gehen werden.

Am Schluss des Buches beginnt Manuel eine ganz neue Geschichte zu erzählen.Ver­suche sie weiterzuschreiben.

Schließe anschließend die Augen und geh auf deine ganz persönliche Reise. Wohin wür­de der Wind dich tragen? Und wer wäre dabei dein Gefährte?

 

 

Die Zeitzwillinge

Das Coverfoto des Romans Die Zeitzwillinge zeigt das Gesicht eines Burschen, aufge­nom­men von der Seite. Der Bursch schaut zu Boden, neben dem Gesicht ist eine Art Schatten zu sehen. Inwiefern bezieht sich diese Fotografie auf den Titel des Buches? Inwiefern nimmt sie Themen vorweg, die sich durch den Text ziehen?

Die ersten drei Seiten des Romans nimmt ein Prolog ein. Was ist seine Funktion? Was sagt dieser Prolog über die emotionale Situation aus, in der sich die zentrale Figur, Tho­mas, befindet? Was gibt er über Thomas´ Vergangenheit preis und darüber, welche Rolle diese immer noch in seinem Leben spielt? Welche Funktion haben die einzelnen Absätze des Prologs? Inwiefern kehrt der Text am Schluss wieder zu seinem Anfang zurück?

Und nun zu deiner persönlichen Meinung: Macht dir ein solcher Prolog Lust zum Wei­terlesen? Oder ziehst du es vor, wenn ein Roman direkt ins Geschehen einsteigt? Dis­ku­tiere mögliche unterschiedliche Meinungen dazu in der Klasse.

Die Hauptpersonen der Geschichte sind Thomas, Katharina, Thomas´ Mutter und - in Erinnerungen - sein Vater. Wie sehen diese Personen aus, wie sind ihre Charakter­ei­genschaften? In welcher Bezie­hung stehen sie zueinander? Was wissen sie vonei­nander, welche Geheimnisse haben sie voreinander? Verändert sich dieses Wissen im Laufe des Romans? Verändert sich ihre Beziehung?

Nachdem du dich ein wenig mit diesen Hauptpersonen beschäftigt hast: Versuche, den Inhalt des Buches in einem einzigen Satz („Plot“) wiederzugeben.

Bereits die erste Szene, in der wir Thomas und seiner Mutter begegnen, artet in einen Streit aus. Suche weitere Stellen aus dem Buch, die ähnlich verlaufen. Versuche, eine Liste mit Gründen zu erstellen, aus denen die beiden immer wieder zu streiten beginnen. Welche Motive haben sie für ihr Handeln? Ergänze diese Liste durch weitere Ursachen für Streit inner­halb einer Familie.

Anregung:

Verfasse einen „Streitdialog“, d. h. ein Streitgespräch zwischen zwei oder mehreren Per­sonen. Überlege dir, welches Problem die betroffenen Personen haben und versuche, dir über ihre Motive klar zu werden, bevor du zu schreiben beginnst. Du könntest deinen Dialog mit einem Partner besprechen und der Klasse vorspielen. Anschließend könntet ihr mögliche Lösungen diskutieren.

In seiner Klasse fühlt sich Thomas als Außenseiter. Er wird von den Schulkameraden nicht akzeptiert, ausgespottet. Am deutlichsten zeigt dies die Szene, in dem zwei Jungen Thomas in eine Toilettenkabine sperren. Was sind die Gründe dafür, dass Thomas in der Klasse nicht akzeptiert wird? Welche Motive könnten die anderen Jungen haben, Tho­mas in eine solch erniedrigende Lage zu bringen? Gibt es auch in deiner Schule Außen­seiter, die von den anderen ähnlich aggressiv behandelt werden? Wie reagieren diese da­rauf?

Auch Katharina fühlt sich als Außenseiterin. Sie verbirgt ihr Gesicht mit der Bissnarbe unter einer Kapuze. Ganz allgemein geht sie nicht gern unter Menschen, denn sie kommt sich entstellt vor. Welche anderen körperlichen „Mängel“ könnten Menschen da­zu veran­lassen, sich in sich selbst zurückzuziehen?

Versuche, eine Liste von Gruppen in der Gesellschaft (L8) zu verfassen, in denen es Außenseiter gibt. Inwiefern spielt die Angst vor dem Anderen, dem Fremden dabei eine Rolle? Diskutiere in diesem Zusammenhang das Problem von Ausländern, die Schwie­rigkeiten dabei haben, in einer Gesellschaft akzep­tiert zu werden.

Ein zentrales Thema des Buches ist die Art und Weise, wie Thomas auf seine Stellung als Außenseiter, auf seine damit verbundene Verein­sa­mung und seine Hilflosigkeit auf die eigene Situation reagiert. Einerseits ist es Trauer, ist es der Rückzug ins eigene Ich. Dann gibt es auch immer wieder Ausbrüche von Ag­gression wie der Frau auf der Brücke ge­genüber. Beide Arten der Reaktion sind nicht dazu angetan, die Lage ins Positive zu ändern. Welche Reaktion wäre denn sinnvoll? 

Anregung:

Verfasse eine Tagebucheintragung, die jemand schreibt, der sich als Außenseiter fühlt. Gehe auf seine/ihre Gefühle und Verzweiflung ein. Könnte es Ansätze zur Änderung ge­ben?

Spiel „Rauslassen - Reinlassen“:

Mit Hilfe dieses Spiels könnt ihr die theoretischen Überlegungen, die ihr gerade ange­stellt habt, praktisch erproben.

Ein weiteres Thema des Buches ist Trauer. Für Thomas erzeugt der Verlust des Vaters und des Freundes, der bekannten Umgebung in der kleinen Stadt Trauer. Inwiefern ist es wichtig, „Trauerarbeit“ zu leisten, d. h. sich seiner Trauer zu stellen, sie bewusst zu erle­ben? Welche Situationen, die Trauer erzeugen, kannst du dir vorstellen? Was könnte passieren, wenn sich Menschen nicht ihrer Trauerarbeit stellen, sondern ihre Gefühle ein­fach zu verdrängen versuchen?

Gedankenspiel:

Stell dir vor, du hast gerade einen schrecklichen Verlust erlitten. Verfasse eine Tage­buch­­eintragung, in der du dir deiner eigenen Gefühle bewusst wirst.

In der Villa schaffen sich Thomas und Katharina eine Art Familienidylle, die in der Ge­burtstagsfeier mit all ihren Vorbereitungen (Einkaufen, Kochen, ...) gipfelt. Man könnte sagen, sie „spielen“ jene Familiensituationen nach, jenes gegenseitige Verständnis und jene Zuneigung, die sie in ihrer eigenen Familie vermissen, nach denen sie sich aber sosehr sehnen.

Gedankenspiel:

Schließ die Augen und lass deine Gedanken schweifen. Überlege dir ganz für dich selbst, was deine Familie für dich bedeutet. Findest du darin den Halt, den Anker für dein Leben?

Ein Idyll, wie man es sich wünschen würde, existiert in der Realität aber kaum. Gibt es Dinge, Vorkommnisse, Verhaltensweisen in deiner Familie, die dich stören, die Anlass für Streit bieten? Welches Mitglied deiner Familie ist dafür in erster Linie verant­wort­lich? Stell dir vor, du würdest diese Person darauf ansprechen: Wie würde sie reagieren? Und was könntest du selbst dazu beitragen, dass das Zusammenleben in dei­ner Familie harmonischer wird?

Überlege, ob es nicht möglich wäre, ein solches Gespräch wirklich einmal zu führen.

Die Comics, die er zeichnet, spielen für Thomas eine große Rolle. Inwiefern spiegelt der Handlungsverlauf der Fantasiegeschich­te aus dem Mittelalter Thomas´ Lebensituation? Auf welche Weise stellt das Zeichnen für Thomas eine Hilfe zur Verarbeitung seiner La­ge dar? Inwiefern reflektiert der Schluss der Comicsgeschichte das Ende des Romans?

Gedankenspiel:

Versetze dich in Thomas´ Rolle. Stell dir vor, du bist in Arizona und blickst auf die Jahre seit dem Umzug in die Großstadt zurück. Die geographische und zeitliche Entfernung hat dich zum Nachdenken gebracht.

Verfasse einen Brief an deine Mutter, in dem du zum ersten Mal deine wahren Gefühle und Motive aussprichst. Welche Rolle haben in deiner Entwicklung die Szene im Pool, der Sturz ins eisige Wasser, die Momente der Erinnerung und Selbstreflexion gespielt? Vor diesem Sturz warst du ein anderer Mensch als danach. Wer bist du heute?

Alternative: Stell dir vor, du selbst befindest dich in einer Grenzlage, einer Ausnahme­situation. Wie bei Tho­mas´ Sturz ins Wasser tauchen Gedankenfetzen vor deinem geisti­gen Auge auf.

Am Schluss des Buches hat Thomas neuen Mut gefasst, er wird sich seinen Schwie­rigkeiten stellen. Welche Rolle hat dabei Katha­rina gespielt? Inwiefern können andere Men­schen bei der Bewältigung von Problemen hel­fen? 

Schließe die Augen und stell dir vor, auch du hättest einen Zeitzwilling. Wann würde dieser leben? Wer wäre er/sie?  Vielleicht möchtest du seine/ihre Geschichte aufschrei­ben?

Anhang:

Hinweise und Infomationen für LehrerInnen

Nähere Informationen zu der Comicsreihe Perry - Unser Mann im All, die in den sieb­zi­ger Jahren erschienen ist, finden sich auf der Website des Bernt-Verlags. Kürzlich wur­den dort einige Nummern der Comics neu aufgelegt: www.bernt.de

 

Spielanleitung „Reinlassen - Rauslassen“:

Mit Hilfe dieses Spiels können Jugendliche die Problematik um Außen­seitertum und To­le­ranz praktisch erproben.

Der Lehrer/die Lehrerin erteilt die Arbeitsaufgabe: Es wird eine Gruppe von etwa acht Mitgliedern gebildet. Die anderen Jugendlichen sind Beobachter. Die Gruppe bildet einen Kreis, eine(r) bleibt draußen. Dieser Jugendliche soll versuchen, in den Kreis zu gelangen. Weitere Erklärungen werden vorerst nicht gegeben.

Es wird sich zeigen, dass Aggression zwar vielleicht aufkommt, dass sie letztlich aber zu nichts führt. Man muss nach alternativen Wegen suchen, um sein Ziel zu erreichen = um in den Kreis hineinzukommen.

Schwierigere Version des Spiels:

In der Mitte des Kreises wird ein Anreiz gesetzt (Wasserkrug, Schnitten, Kuchen). Durch Aggression kann dieser Anreiz kaputt gehen, z. B. kann der Krug hinuntergestoßen wer­den und zerbrechen. Im Freien oder im Turnsaal kann es dabei für einige Zeit auch ein wenig wild werden.

Nachbesprechung:

Warum haben sich die Jugendlichen an die negative Aufgabenstellung gehalten? Wer sagt uns denn, wer „die Bösen“, die Außenseiter (= die, die aus dem Kreis draußen blei­ben müssen) sind?

Glaubt die Gruppe, die beobachtet hat, das Problem anders lösen zu können? Sie soll es vorzeigen.

Achtung: Für die Rolle des Außenseiters soll niemand gewählt werden, der in der Klas­se/­Gruppe wirklich einer ist (selbst melden lassen)!

Nähere Informationen zu fast allen im Buch Die Farbe des Sommers angesprochenen Filmen finden sich in:

Robert Moss, Der klassische Horrorfilm, Heyne Filmbibliothek.

In modernen Filmen gäbe es eine straffere Handlungsführung, raschere Schnittfolgen, einen ständigen Wechsel zwischen Totale - Halbtotale - Close Ups (Nahaufnahmen); ge­walt­tätige Szenen wer­den eher gezeigt und nicht nur angedeutet oder der Fantasie des Be­trachters überlassen.

Bei Peters Einbruch in das alte Kino wird das Haus wie ein lebendiges Wesen be­schrieben, z. B. wird seine „Wirbelsäule“ angesprochen. Das Kino kommt Peter wie eine Art Freund vor, in den dunklen Kinosaal flüchtet er sich vor der Außenwelt, mit der er nicht zurechtkommt.

Auch bei seinem Verfall im Epilog wird das Gebäude wie ein menschliches Wesen be­schrieben. Mit seinem „Tod“ geht für Peter ein Lebensabschnitt zu Ende: seine Kindheit. mit Vögeln (Freiheit)

Konzept von Dependenz - Konterdependenz - Interdependenz und von der Ent­wick­lung eines Menschen vom ab­hän­gigen zum selbstbestimmten Wesen:

1. Dependenz: völlige Abhängigkeit eines Menschen vom anderen, blindes Ver­trauen, z. B. Baby - Mutter;

2. Konterdependenz: Aufbegehren gegen diese Abhängigkeit, besonders in der Pu­bertät; wichtig, um die eigene Position und Rolle in der Gesellschaft zu finden; be­wusste Tabubrüche zum Ausloten von Regeln und Grenzen; Tabubrüche sind deshalb extrem wichtig, denn ohne sie findet keine Weiterentwicklung statt;

3. Interdependenz: zwei selbstbewusste Menschen leben miteinander in einer Be­zie­hung von Gleichwertigen; nicht möglich, wenn keine Ablösung stattgefunden hat; negatives Beispiel = Männer, die in Partnerinnen nur die eigene Mutter suchen.

Einige literarische Hinweise zum Themenbereich Vater-Sohn-Verhältnis:

Robert Bly, Eisenhans, Knaur Taschenbuch:

Ein Buch, das sich durch die Interpretation eines Märchens mit gelungenen und ge­scheiterten Loslösungsprozessen, deren Folgen und der Rolle von männlichen Ju­gend­lichen und Männern in der modernen Gesellschaft be­schäftigt.

T. C. Boyle, World´s End, Hanser Verlag:

Das Thema wird in Form eines großangelegten, generationenumspannenden amerikani­schen Familien­ro­mans mit viel schwarzem Humor entwickelt.

Weiters stellt Franz Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ ein Beispiel für ein extrem problematisches Vater-Sohn-Verhältnis dar. Auch Goethes „Zauberlehrling“ kann unter dem Aspekt von Tabubrüchen und deren Folgen gelesen werden. Und schließlich lässt sich auch die biblische Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies (Gott = Vater, Adam = Sohn, Tabu = keine Frucht vom Baum der Erkenntnis darf gegessen werden) in dieser Weise interpretieren.

Solche Gesellschaftsgruppen sind z. B. die Klasse, der Freundeskreis („Peer Group“), Ju­gendgruppen wie Jung­schar und Pfadfinder, die Familie, die Konfession/Kirche, die Stadt/­das Dorf, der Staat, ...