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Feuernebel
Erschienen
in der Reihe „generation“
des Fischer Schatzinsel-Verlags, September 2006 ISBN
978-3-596-80619-5 144
Seiten, € 7,20 |
Das Buch
beginnt mit dem Brand eines Bauernhofes, den drei Jugendliche, Teresa, Daniel
und Markus, von einem Felsen aus beobachten. Die Geschichte dieser drei
17-Jährigen einerseits, andererseits jene von Peter, Anfang dreißig, werden in
zwei Erzählsträngen aufgerollt. Die Jugendlichen sind auf der Flucht. In Form
von Rückblenden werden einige Hintergründe zu dieser Flucht Schritt für
Schritt greifbar, jedoch bis zum
dramatischen Finale des Buches nicht vollständig preis gegeben. Peter
seinerseits ist ebenfalls auf der Flucht – vor sich selbst und vor den Schatten
seiner Vergangenheit. Sein 8-jähriger Sohn Jakob ist durch einen Unfall mit dem
Schulbus zu Tode gekommen. Peter fühlt sich am Tod des Kindes zumindest
mitschuldig, und auch seine Ehe mit Marion scheint daran zu zerbrechen.
Schließlich treffen die vier
Charaktere in einer Berghütte auf einer meist nebelverhangenen Kuppe zusammen.
Die Welt im Tal scheint weit und fast unwirklich entrückt, was etwa auch durch
den möglichen englischen Titel Out of Focus reflektiert wird. Dafür wird
hier die Welt der eigenen Emotionen realer, was aber auch zur Notwendigkeit
führt, lang hinausgeschobene Entscheidungen endlich zu treffen.
Zuerst ist der Kontakt
zwischen Peter und den Jugendlichen eher unverbindlich, doch allmählich
beginnen sie, sich aufeinander einzulassen. Das Dreiecksverhältnis, in dem sich
die Jugendlichen befinden, tritt zutage: Markus stammt aus einem ärmlichen
Milieu und leidet schon seit Jahren unter den Misshandlungen durch seinen
aggressiven Vater. Ihm erscheint die Freundschaft zu Daniel und Teresa, die aus
sogenanntem „gutem Elternhaus“ stammen, als großes Geschenk. Dass die beiden
selbst unter der Nichtbeachtung ihrer Eltern leiden, kann er nicht
nachvollziehen. Zudem haben sich die Drei in einem Wirrwarr aus Gefühlen
verfangen. Daniel ist in Teresa verliebt, wagt ihr jedoch nichts zu sagen, um
ihre Freundschaft nicht zu gefährden. Markus fühlt sich von Daniel körperlich
angezogen, vermag diese seine Gefühle aber nicht einzuordnen. Und Teresa liebt
es, beide Jungen aufzureizen.
In diesem emotional
aufgeschaukelten Klima kommt es zu einer Konfrontation, in deren Verlauf nicht
nur der Brand des Bauernhofes, sondern auch ein Mord und seine Hintergründe ans
Tageslicht treten. Peter, der fast am Tod seines kleinen Sohnes zerbrochen
wäre, versucht den Jugendlichen zur Seite zu stehen.
In „Feuernebel“ geht es um zuweilen extrem verunsichernde Emotionen, die
sich die Figuren lange Zeit nicht eingestehen wollen, und den Versuch, damit
doch noch zurande zu kommen. Aus der Berglandschaft, in der die Geschichte
spielt, bricht unvermittelt der Schrei von zerrissenen Seelen.
Rezensionen:
„Eine einsame
Berghütte ist Handlungsort dieses Romans. Dorthin haben sich die drei Freunde
Daniel, Teresa und Markus (ca. 17 Jahre alt) geflüchtet, nachdem sie unten im
Dorf Markus’ gewalttätigen Vater erschlagen und dessen Hof in Brand gesetzt
haben. Die Hintergründe für die schlimme Tat werden nach und nach in
Rückblenden aufgedeckt. Mit sensiblem Gespür für die verwirrende Gefühlswelt
junger Menschen zeigt der Autor die verstörten Freunde in ihrer
Ausweglosigkeit, ihrer individuellen Einsamkeit und – trotz aller Umstände –
der erwachenden Sexualität in den Beziehungen zueinander. Als dann ein junger
Lehrer, der den Tod seines Sohnes durch einen Unfall kaum verkraften kann, zu
den Dreien stößt, schafft es der Autor glaubhaft zu zeigen, wie es diesem Mann
gelingt, das Vertrauen der jungen Leute zu gewinnen und gemeinsam mit ihm
wieder ins Dorf hinabzusteigen.“ (Hansestadt
Wesel, Empfehlung „Bücher für junge Leute“)
„Nebel
als Metapher für ein geheimnisvolles Buch. Die Geschichte von Markus, Daniel,
Teresa und Peter wird in sehr kurzen, bruchstückhaften Kapiteln erzählt. Die
Geschichte folgt nicht einer klaren Linie, sondern wird immer wieder von
Erinnerungsfetzen unterbrochen und ergibt erst am Ende ein vollständiges Bild.
„Feuernebel“ ist in einer sehr poetischen Sprache geschrieben: die Gedanken
werden sehr bildlich beschrieben und die Handlung wird oft mit einem Film
verglichen. Auch der (Feuer)Nebel spielt eine wichtige Rolle in diesem Buch.“ (Lilly Manon Maier, Jury der jungen Leser, Oktober 2006)
„Der
realistische Jugendroman von Peter Horn dreht sich um Fragen wie Schuld und
porträtiert vor allem die Unsicherheiten, die besonders mit dem Erwachsenwerden
einhergehen. Dabei gelingen dem Autor in knappen Kapiteln, die sich auch für
leseungeübte Jugendliche anbieten, die Porträts der Jugendlichen so plastisch,
dass ein Film im Kopf abläuft.“ (Thomas
Niehörster, kjl-online, 2. April 2007)
„Eine
emotionale Zerreißprobe ... (...) Dies alles geschieht vor symbolträchtiger
Kulisse: In der engen, von dichtem Nebel umgebenen Berghütte des Mannes sind
alle auf Verderb und Gedeih sich selbst ausgeliefert, die Welt ist praktisch
ausgeschlossen. Und so müssen die aufgeladenen Emotionen sich schließlich
entladen, bis ein Entschluss reift. Alle sind am Ende bereit, zurückzukehren und
sich ihrer Verantwortung zu stellen. Beeindruckend, wie es dem Autor gelingt,
die hochspannende Situation durch entsprechende formale Mittel – kurze,
gedrängte Kapitel, plastische Sprache – noch zu unterstreichen.“ (fünf von fünf möglichen Sternen – Rezension von nadi
bei amazon.de, 8. Mai 2007)